Löffel

Es wird zwar aufgrund epidemiologischer Studien angenommen, dass ein hoher Zuckerkonsum auf die Dauer krank macht – wirklich bewiesen ist der kausale Zusammenhang aber nicht. Jetzt konnten US-Forscher umgekehrt zeigen, dass Menschen mit einer Mutations-bedingten verringerten Glukoseaufnahme aus dem Darm seltener erkranken und länger leben.

Um die Frage der Kausalität von hoher Glukoseaufnahme und Krankheitsentstehung zu klären, nutzten die Forscher eine Mutation des Natrium-abhängigen Glukose-Cotransporters-1 („sodium/glucose co-transporter-1“, SGLT1) im Darm, der für die Aufnahme von Glukose aus dem Darm zuständig ist. Ist der Rezeptor komplett funktionsunfähig, treten bereits in den ersten Lebenstagen durch die osmotische Wirkung der Zuckermoleküle schwere Durchfälle auf, die tödlich verlaufen können. Jetzt konnten die Wissenschaftler drei sogenannte „missense“-Mutationen (Asn51Ser, Ala411Thr und His615Gln) im SGLT1-Gen identifizieren, die die Glukoseaufnahme aus dem Darm nur reduzieren.
In einer Studien-Kohorte aus 5.687 gesunden Menschen mit europäisch/amerikanischer Herkunft (ARIC-Kohorte) konnte bei insgesamt 13 % der Personen mindestens eine dieser Mutationen nachgewiesen werden. Die Mutationsträger hatten bereits bei Studienbeginn signifikant geringere Blutzuckerwerte im 2-Stunden-Glukosebelastungstest. Im Verlauf der ARIC-Studie („Atherosclerosis Risk in Communities“) zeigten sich nach verschiedenen Adjustierungen zudem signifikant niedrigere Raten an Prädiabetes und Adipositas.

Auch in einer Kohorte von 2.791 Personen mit afroamerikanischer Herkunft und einer europäischen Kohorte (n=6.784) ließen sich die Ergebnisse bestätigen. Die Raten an Mutationsträgern waren hier deutlich niedriger (3% bzw. 5,3%). 
Mittels Mendelscher Randomisierung der Ergebnisse aller drei Kohortenstudien kamen die Forscher zu folgendem Ergebnis: Durch die eingeschränkte Glukoseaufnahme mit um 20 mg/dl reduzierten Glukosewerten über 25 Jahre würde das Risiko für Adipositas um 57 %, für Diabetes um 42 % und für Herzinsuffizienz um 47 % absinken. Dadurch wäre die Mortalität um 34 % reduziert. Daraus lasse sich indirekt ableiten, dass Ähnliches auch durch eine Reduktion des Zuckerkonsums möglich wäre.

Quellen

1. Sara B. Seidelmann et al; Genetic Variants in SGLT1, Glucose Tolerance, and Cardiometabolic Risk; JACC (2018); 72(15): DOI: 10.1016/j.jacc.2018.07.061

2. US-Forscher – Glukose kann tödlich sein. ÄrzteZeitung.

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