Sich regelmäßig zu bewegen ist auch, oder gerade für Patienten mit Osteo- oder Spondylarthritis wichtig. Langfristig lassen sich so auch Analgetika einsparen.

„Wenn körperliche Aktivität eine Pille wäre, wäre sie eines der am kosteneffektivsten Medikamente überhaupt“; so Dr. Silje Halvorsen Sveaas, Oslo, mit Blick auf die zahlreichen günstigen Efekte von Sport auf die körperliche und mentale Gesundheit. Unter anderem nannte sie die Reduktion von kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes, eine verbesserte Knochengesundheit und körperliche Funktion, aber auch positive Efekte auf Kognition, Lebensqualität und ein reduziertes Risiko an einer Depression zu erkranken.
In einer Metaanalyse konnte gezeigt werden, dass Bewegung sich günstig auswirkt: auf Entzündung, Gelenkschäden sowie auf Symptome wie Schmerz, Fatigue und Morgensteifgkeit. Auch die aktuelle ESpA(Exercise for spondyloarthritis)-Studie zeigt den Benefit. In die Studie wurden 100 Patienten randomisiert einer Trainingsgruppe (kardiorespiratorisches Training und Krafttraining über drei Monate) oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Wer seine körperliche Fitness trainierte, proftierte erheblich mit einem günstigen Efekt auf AS Disease Activity Score und Bath AS Disease Activity Index. Auch Fatigue, Schmerzen in Nacken, Rücken und Hüfte sowie Ausmaß und Dauer der Morgensteifgkeit wurden positiv beeinfusst [1].

Angst vor der Bewegung

Der Haken: Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung bewegen sich meist weniger als ihre gesunden Altersgenossen. So sind Patienten mit Osteoarthritis 10 bis 20 % weniger aktiv als Kontrollpersonen, die Gehfähigkeit ist schon ab einem Alter von 40 Jahren eingeschränkt. Als Barrieren für körperliche Aktivität nannte Sveaas mangelhafte Information und Aufklärung der Patienten, auch über die Sicherheit körperlicher Aktivität. Manche Patienten befürchten dadurch ein Aufammen der Erkrankung oder eine Schädigung ihrer Gelenke. Auch Schmerzen und Fatigue können eine Hürde auf dem Weg zum Training sein. Wichtig ist es, den Patienten möglichst zu unterstützen, idealerweise gemeinsam mit seinem sozialen Umfeld.

Mit Kurzzeit-NSAID Training ermöglichen

Diskutiert wird der Einsatz von Analgetika um die Schmerzen zu lindern und so körperliches Training erst möglich zu machen. Sveaas brachte Licht in die umfangreiche Datenlage. Danach besteht Evidenz für den günstigen Efekt einer Kurzzeitanwendung von NSAIDs auf die körperliche Funktion bei Osteoarthritis, axialer Spondylarthritis und rheumatoider Arthritis. Der Benefit in allen Patientengruppen wird auf die
antientzündliche Wirkung der NSAIDs zurückgeführt. Für Opioide konnte ein kleiner Kurzzeiteffekt auf die körperliche Funktion bei Osteoarthritis gezeigt werden. Evidenz gibt es zudem dafür, dass Paracetamol keinen Efekt hat. Aus Sveaas Sicht können NSAIDs kurzzeitig eingesetzt werden um die Teilnahme am Sport zu erleichtern. Dies kann dann auch bei Patienten mit großen Schmerzen gelingen. Da die Ergebnisse
zeigen, dass Analgetika und körperliche Bewegung den Schmerz gleichermaßen beheben, könne davon ausgegangen werden, dass Analgetika langfristig durch Sport ersetzt werden können.

Literatur
1. Sveaas SH et al (2019) Br J Sports Med. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-099943

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