Möglicherweise lässt sich eine Lyme-Borreliose durch Antibiotika doch nicht so sicher ausheilen, wie bisher angenommen. Bei Rhesusaffen konnte eine vierwöchige Doxycyclin-Behandlung eine Borreliose mit Gelenkbefall nicht beenden. Laut einer Studie im American Journal of Pathology konnten die Erreger später im Gehirn und im Herzmuskel nachgewiesen werden.

Bei akuter Lyme-Borreliose mit Erythema migrans wird eine zweiwöchige Antibiotikabehandlung als ausreichend angesehen, in späteren Stadien mit Gelenkbefall wird eine 28-tägige Antibiotikagabe empfohlen.

Rhesusaffen, deren Erbgut zu 94% mit dem Menschen überstimmt, gelten als derzeit bestes Krankheitsmodell der Lyme-Borreliose. Die Erkrankung verläuft bei ihnen ähnlich wie beim Menschen. US-amerikanische Wissenschaftler infizierten zehn dieser Affen mit B. burgdorferi. Bei acht Tieren fiel der PCR-Test auf Gene des Erregers in den nach 1-2 Wochen entnommenen Hautbiopsien positiv aus und bei fünf wurden Borrelien in der Blutkultur nachgewiesen. Bis auf eine Ausnahme entwickelten alle Affen Antikörper gegen Borrelien. 16 Wochen nach der Infektion wurde die Hälfte der Tiere über 28 Tage mit Doxycyclin behandelt. Drei Monate später wurden Zecken auf die Haut der Affen gesetzt und danach auf B. burgdorferi hin untersucht. Diese Xenodiagnose wurde nach weiteren vier bis sechs Monaten ein zweites Mal durchgeführt.

Bei der zweiten Xenodiagnose wurde in drei von fünf behandelten und vier von fünf unbehandelten Affen Borrelien nachgewiesen. Die Antibiotikabehandlung hatte ihr Ziel, die Infektion zu kurieren, somit offenbar nicht erreicht. Die nähere Untersuchung der Affen ergab, dass die Borrelien Nervensystem, Herz, Skelettmuskulatur, Gelenke und die Harnblase befallen hatten. Bei zwei Tieren wurden intakte Borrelien im Gehirn und bei einem dritten Tier im Herzmuskel nachgewiesen - alle drei Tiere waren mit Antibiotika behandelt worden.

Die Borreliose ist eine heimtückische Infektion, die sich durch Antibiotika vermutlich nicht sicher heilen lässt, schreiben die Autoren. Möglicherweise bilden die Bakterien im Körper Sporen, die von den Antibiotika nicht erreicht werden. Die Antibiotika könnten jedoch die Gesamtzahl der Erreger mindern und so den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen. Da die Immunreaktionen auf die Antibiotikatherapie bei den einzelnen Tieren sehr unterschiedlich ausfielen, sind Antikörpertests nach Ansicht der Forscher nicht geeignet, den Erfolg einer Antibiotikabehandlung zu beurteilen.